Bericht zur Getreide-Gruppe beim MitmachMarkt Nord am 03.09.2025
Die Bestellbedingungen für Druschfrüchte waren Herbst 2024 und Frühjahr 25 sehr gut. Der Winter war trocken – ab Ende Januar war Schluß mit dem Atlantik-Regen. Der Frühsommer ausgesprochen trocken – was aber in der Rückschau auf den Böden > 40 Bodenpunkten keinerlei Problem war – eher ein Vorteil.
Es wurden bei Wintergetreide und auch bei einigen Sommerungen ausgesprochen hohe Erträge erreicht – wie lange nicht. Beste Bestellung, kaum Stickstoff-Auswaschung, keine Pilze und wenig Unkraut im Wachstum, hohe Einstrahlung bei gemäßigten Temperaturen und dann insbesondere für die Sommerungen noch Regen gerade früh genug.
Eine gegenteilige Situation zum Erntejahr 2024 – das war für viele Bio-Getreidebauern das schlechteste ihrer Wirtschaftszeit.
Die Erntebedingungen waren nach trockener Wintergerstenernte und einigen Dinkelpartien in der 2. Juli-Hälfte ausgesprochen schlecht. Permanenter Regen und zunehmendes Lager ließen reife Schläge auskeimen mit Fallzahl-Verlust. Erfahrene Betriebsleiter mit leistungsfähigen Trocknungen ernteten was ging – und hielten damit meistens auch die Qualität.
Als ab Anfang August die Sonne wieder rauskam, konnte ohne Behinderung binnen 10 – 14 Tagen nahezu alles trocken gedroschen werden.
Erntemengen und Qualitäten
Im Nachhinein stellte sich heraus, durch engagiertes Dreschen und Trocknen in der Regenzeit, durch noch nicht voll reife Partien, durch Glück bei der Regenverteilung gingen beim Backgetreide (Weizen, Dinkel, Roggen) nicht alle Partien „baden“ – es dürften genügend backfähige Partien zusammen-kommen und der Futtermarkt freut sich durchaus auch auf Ware – außer ausgewachsener Dinkel – der zeigt keine gute Verwertungsmöglichkeit. Es hat sich in 2025 gezeigt, dass Lager-Areale oder –Schläge in grenzwertigen Situationen separat gedroschen und gelagert werden müssen: „Ein ausgewachsenes Korn zieht 100 weitere in den Abgrund“.
Die Kulturen im Einzelnen
Hafer
Der zeigt eine mögliche Überversorgung im Markt. Hohe Flächenanteile (war anhand des Saatgutverkaufes abzusehen) trafen auf hohe Erträge. Gut Rosenkrantz zieht die Kontraktware vor und hält sich mit weiteren Käufen vorerst zurück. Aus einigen Teilen Deutschlands hört man bei konsumfähigen Partien von 30,00 €/dt netto ab Hof – der typische Absturz in der Ernte für Betriebe, die nicht lagern können und keine Kontrakte unterschrieben haben.
Winterhafer kommt durch die milderen Winter im Anbauanteil langsam nach vorn und kann per se ohne Einschränkung als Schälhafer genutzt werden, wenn die sonstigen Parameter (Hektoliter-Gewicht, Optik, Sensorik – Feuchteziel 13 % und Mykotoxine) stimmen. „Winterhafer kommt beim Stimmen aller Faktoren auf den gleichen Haufen wie Sommerhafer“.
Mykotoxine sind je nach Verarbeitungsrichtung ein zunehmendes Thema. Die Handelsgesellschaft verfügt über ein Analysegerät, das binnen 15 min. den Status erfasst, um einzuteilen: voll ok, ok, Futter, etc. Mykotoxine spielen in der Vermarktung von Hafer eine zunehmende Rolle, sodass das Erntemanagement (nicht den Hafer ewig stehen lassen) aber insbesondere das Nacherntemanagement (vorreinigen, lüften, konsequent trocknen, kühlen) eine große Rolle spielen.
Dinkel
Es wird genügend gute Dinkel-Partien geben. In Süddeutschland ist der ausgewachsene Anteil höher einzuschätzen. Es werden große Mengen Saatgut von dort geordert. Das muss aber noch nicht heißen, dass der Anbau ausgeweitet wird – eher, dass dortige Saatgutpartien kaputt sind. Die dortige Dinkel-Aussaatfläche hat traditionell eine hohe Bedeutung.
Was im Handel keiner will, ist ein Fortgang des unruhigen Dinkel-Zyklus. Anbauer, die auf Nummer sicher gehen wollen, haben bereits 2026er Vorkontrakte für 45,00 €/dt netto ab Hof unterschrieben – das zeigt die Angst vor einem abermaligen Dinkel-Berg in 2026 – nach letztmalig 2022.
Weizen
Auch hier wird es genügend gute Konsumpartien geben. Sommerweizen schafft die 26% Feuchtkleber im Norden sicherer als Winterweizen. Er kann aufgrund seines bekannt „kurzen“ Klebers aber meistens nur zu 25 % anteilig ins Mehl eingemischt werden. Insofern sind gute Konsum-Partien an Winterweizen stest gesucht – aber im Norden selten nach Rezept sicher zu erzeugen.
Die Qualitäts-Einstufungen werden je nach Verwertung – Keks bis höchste Feinmehl-Ansprüche – weiter gespreizt. Für Kekse geht’s mit 20-22 % Kleber los, ab 23 % kommt Basismehl (wenn es eine Backweizen-Sorte ist – andere Parameter wie das Extensogramm spielen mit rein), über 25 % Kleber kann man Mehl für die Brotherstellung machen, 26 % Kleber ist Standard, > 28 % für höchste Ansprüche.
Roggen
Weil Roggen bisher ohnehin zu ¾. ins Futter geht, wird es auch 2025 genug taugliche Konsumpartien geben. Man kann sich die Rosinen rauspicken und den Rest ins Futter schieben.
Der Brotverkauf im LEH (auch Aufbackbrötchen) zieht kontinuierlich mehr Ware. Diese Vermarktungsschiene ist allerdings hoch qualitäts- und preisbewusst – ein Hinweis, dass Euphorie nicht am Platze ist – eher Realismus.
Futterkomponenten
typische Komponenten – neben den Allzweckwaffen Soja und Mais – für die verschiedenen Tierarten:
| Rinder | Schweine | Hühner / Geflügel |
| Ackerbohnen | Bohnen / Erbsen | |
| Lupinen | Gerste | Weizen / Tritcale |
| Roggen | Weizen / Triticale |
Ackerbohnen
gehen im Preis zurück auf 48,00 €/dt, um in Kombi mit Roggen im Wettbewerb ein preiswertes Mischfutter für Milchkühe anbieten zu können. Durch neue Sorten z.B. „Hammer“ (frühe Entwicklung) oder „Iron“ und eine kontinuierliche Verbesserung in der Produktionstechnik sollten im Schnitt der Jahre >= 3 to pro Hektar erreichbar sein und somit auch ein Arrangement mit diesem Preisniveau.
Lupinen
haben nach ersten Untersuchungen in 2025 moderate Alkaloid Werte und werden gerne für hochleistende Milchkühe eingesetzt – u.a. für Dänemark.
Umstellungsware
Gibts kaum – wenn neue Flächen hinzukommen: Bohne, Weizen, Triticale.
Perspektive Druschfrüchte: Getreide und Körnerleguminosen
Der Futterbereich und damit die Entwicklung der Bio-Tierhaltung ist für den Druschfrucht-Ackerbau weiter oberster Faktor. Bei den Kühen ist durch die gute Preissituation konventionell nur eine geringe Fortentwicklung da – wenn überhaupt. Die Preisaussichten für Schweine, Geflügel und Eier sind positiv – aber die Hürde des Stallbaues / -umbaues ist hoch. Was in dem Bereich geht, müssen die anderen Arbeitsgruppen entscheiden. Dort wo Soja angebaut werden kann – milde, warme, gleichmäßige, hackfruchtfähige Böden – am besten mit Beregnung, sollte die Kultur ernsthaft und deutlich entwickelt werden (siehe Soja-Gruppe).
Perspektivisch wünscht sich ein Verarbeiter und Händler:
Professionalität – Qualität – Kontinuität
in der Arbeit seiner zuliefernden Partner. Das ist ein hoher Anspruch, aber: Der Verarbeiter muss das auch bieten – sonst ist er im Wettbewerb raus.
Zudem wird beobachtet, dass die steigenden Transportkosten per LKW eine gewisse Ausbildung „Thünsche Kreise“ bewirkt; jedenfalls mehr als in der Vergangenheit. Alles was mit dem Schiff transportiert werden kann, ist bezahlbar – somit sind Importe auch nicht ganz weg (siehe EU-zertifiziertes Soja aus China), aber das Hin- und Herkarren von Futterkomponenten und Fertigfutter bekommt eine belastende Wirkung. Dem Verarbeiter ist es zumindest lieb, wenn Zulieferer von Futterkomponenten und Abnehmer von Fertigfutter rund ums Werk liegen. Ein Beispiel sind einige Naturland-Schweinehalter in der Region Angeln, die sich in den vergangenen Jahren um das dortige Kraftfutter-Werk gruppiert haben.
Fazit zur Zukunftsperspektive
Alles, was Kosten senkt und Erträge steigen lässt, ist für die gesamte Lieferkette wichtig, um im Wettbewerb bestehen zu können. Das gilt für die praktischen landwirtschaftlichen Betriebe aber auch die Verarbeiter. Ein Beispiel sind die EU-Mischfutter-Verarbeiter in Dänemark. Es werden gerade einmal 6-8 verschiedene Komponenten-Silos vorgehalten im Gegensatz zu deutschen Mischfutter-Verarbeitern, die u.U. das 5 fache an kleinen Silos betreiben, um alle EU- und Bio-Verbands-Verarbeitungsstränge bedienen zu können.
Klein-klein ist auch in der landwirtschaftlichen Praxis nicht unbedingt förderlich, wenn man sich in die Lieferketten Richtung LEH einreihen will. Eigene Trocknung und Lagerung einer überschaubaren Anzahl an Druschkulturen bei standortmöglichem Ertrag ist eher der Weg. Die Frage nach „neuen“ Kulturen wurde Richtung der Experimentierfreude einiger weniger Praktiker verwiesen. “Lass die das machen“.
Bio2030.de MitmachMarkt Nord am 03.09.2025
| Produkt: | Getreide und Körnerleguminosen |
| Verbeiter und Händler: | Handelsgesellschaft für Naturprodukte Gut Rosenkrantz |
| Sprecher: | Johanna und Ernst-Friedemann von Münchhausen |
| Protokoll: | Gustav Alvermann, bio2030.de |
