Marktbericht

Online MitmachMarkt Nord
Mittwoch 03.09.25


Bioprodukte aus der Tierhaltung gesucht, Spitzenerträge bei Getreide und Kartoffeln – aber keine Euphorie

Produkte aus der Tierhaltung – Milch, Eier, Fleisch

Bio-Milch

Gerhard Dehlwes führt mit seiner Familie die Bio-Hofmolkerei Dehlwes mit einem breiten Angebot an Molkereiprodukten unter der Marke „Heimatglück“. Ausgehend von einem landwirtschaftlichen Betrieb in Lilienthal bei Bremen mit mittlerweile 300 Milchkühen verarbeitet die Molkerei insgesamt ca. 15 Millionen kg Milch im Jahr. Aktuell ist die Rohwarenverfügbarkeit das Mega-Thema, einige der Lieferbetriebe von Dehlwes denken über eine Rückumstellung nach, was die Molkerei vor große Herausforderungen stellen würde. Die Gründe liegen nicht unbedingt beim Milchpreis. Der Abstand zwischen konventionell und bio liegt mittlerweile bei 12,3 ct/kg (Stand Juli ´25), und Niedersachsen liegt mit 67,4 ct/kg für Bio-Milch an der bundesdeutschen Spitze. Mit einer dementsprechenden Milchleistung kann man damit Geld verdienen, auch wenn >70ct/kg wünschenswert und erreichbar ist. Nein, es sind die Auflagen und die Bürokratie, die Betriebe zum Wechsel treiben. Außerdem muss, wie Gerhard Dehlwes betont, weiterhin an der Produktivität der Betriebe gearbeitet werden, insbesondere mit Fokus auf der Milchleistung. Die Spitzen-Betriebe erreichen im Bio-Segment mittlerweile Leistungen pro Kuh von bis zu 10.000 kg pro Jahr, der Schnitt liegt bei 7.000 kg. Also Lieferanten willkommen!

Bio-Eier

Bernhard Brand Bericht Online MitmachMarkt 03.09.2025
Bernhard Brand

Landwirt Bernhard Brand bewirtschaftet seinen Betrieb im Emsland einen Kilometer von der holländischen Grenze entfernt. Er hat den Bio Legehennen e.V. gegründet, um eine vollkostendeckende Eierproduktion für Bio-Verbundsmitglieder sicherstellen zu können. Annette Alpers macht für den Naturland Verband zweimal im Jahr eine Vollkostenrechnung. Sie wird als Maßstab für einen auszuhandelnden Eierpreis genommen. Die Vermarktung soll von einem Broker übernommen werden, der mit den Packstellen und dem LEH die Verträge macht. Die Nachfrage nach Bio-Eiern ist bundesweit weiterhin steigend und die Preise auskömmlich. Für Erfolg ist Effizienz aller Arbeitsschritte bis zum Abtransport der Eier per LKW wichtig.

Bio-Geflügel

Daniel Willnat Bericht Online MitmachMarkt 03.09.2025 19
Daniel Willnat

Die Freiländer Bio Geflügel GmbH vermarktet seit 1997 ausschließlich Bio-Hähnchen und Bio-Puten, die von 50 Vertragslandwirten in Deutschland und Österreich stammen. Geschäftsführer Daniel Willnat sucht weiterhin Landwirte, die für sie Hähnchen und Puten mästen entweder im offenen System, in dem die Landwirte selbst die Jungtiere und das Futter kaufen oder im geschlossenen System, in dem Freiländer Jungtiere und Futter stellt. Die Nachfrage steigt, das Angebot ist knapp.

Bio-Rind

Torsten Hein Bericht Online MitmachMarkt 03.09.2025 20
Torsten Hein

Torsten Hein ist seit 33 Jahren Geschäftsführer der Biopark Markt GmbH in Malchin, Mecklenburgische Seenplatte. Gestartet als Selbsthilfe-gruppe von Mitgliedern des Biopark-Verbandes, ist sie heute in allen Bereichen vom Bio-Saatgut und eigener Futtermühle bis zur Zerlegung von Bio-Rindfleisch auch für Mitglieder anderer Bio-Verbände sowie von EU-Biobetrieben tätig. Ausgeliefert wird an unterschiedliche Kunden in Europa. Die Nachfrage nach Bio-Rindfleisch übersteigt das Angebot deutlich. Neue Lieferanten sind willkommen.

Bio-Schwein

Marian Mohrmann Bericht Online MitmachMarkt 03.09.2025 18
Marian Mohrmann

Friland Deutschland GmbH, vertreten durch Head of Sales Marian Mohrmann, mit Sitz in Hamburg, früher Kiel, vermarktet Teilstücke von Schwein und Rind an Weiterverkäufer und Verarbeiter. Die Rohstoffe kommen z.T. von der Konzernmutter, der Friland AS mit Aufzucht, Schlachtung und Zerlegung in Dänemark und Anlieferung der Teilstücke und parallel von Bioland- und Naturlandbauern in Deutschland und Schlachtung und Zerlegung in Essen, Oldenburg. Die Kernfrage in der Runde ist: wie wird der Handel seinen Bedarf für Bio-Schweinefleisch in den nächsten 10 – 20 Jahren decken? Derzeit gibt es kaum umstellungswillige Betriebe. Angefangen bei den Baukosten, den gesetzlichen Regularien bis hin zur Generationenfrage spricht vieles dagegen, in das Risiko einer Bio-Schweinehaltung einzusteigen, ob nun Sauen, Mast oder geschlossenes System. Viele Betriebsleiter sind über 50 Jahre alt, Hofnachfolger fehlen oder scheuen derzeit das Risiko der Investition, bedingt durch die unsicheren Rahmenbedingungen. Die Baukosten sind langfristige Investitionen mit zu vielen Unbekannten. Das merken Schlachter und Vermarkter wie Friland deutlich. In Holland werden schon im Rahmen des Umweltprogramms Betriebe aus dem Markt gekauft, um den N-Eintrag zu reduzieren. Das schmälert das Angebot. Allein der Preis reicht nicht aus, um mehr Menge zu erzeugen, auch wenn er bei > 5€/kg SG liegt. Transportkosten für Futter wie für Fleischwaren spielen eine immer wichtigere Rolle. Investitionswillige Betriebe werden das vermehrt berücksichtigen. Aber wie wird der Handel reagieren bei durchgehend knapper Belieferung? Listungsplätze werden nicht gehalten, wenn es immer wieder Lücken gibt bzw. die Nachfrage nach Bio-Schweinefleisch, wie derzeit, steigt und nicht befriedigt werden kann. Vielleicht sind die Preise, insbesondere für tierische Produkte, einfach immer noch zu niedrig. Das hat auch was, weil irgendwann der Markt anspringt. Warum sollte das hier anders sein?

Pflanzliche Produkte

Bio-Getreide

Johanna von Muenchhausen Bericht Online MitmachMarkt 03.09.2025
Johanna von Münchhausen

Die Gut Rosenkrantz Handelsgesellschaft mbH betreibt an ihrem Stammsitz in Neumünster eine Mühle für Konsum-Mehl. Dazu ein Bio-Mischfutterwerk in Bassum / Niedersachsen und eins in der Nähe von Flensburg. Die Produktpalette wird abgerundet durch ein Vollsortiment an Back-Rohstoffen für das Backhandwerk und die industrielle Verarbeitung. Von der aktuellen Situation bei den Mähdruschfrüchten berichten von Gut Rosenkrantz Johanna von Münchhausen und ihr Vater Ernst-Friedemann sowie Berater Gustav Alvermann. Entgegen den Erwartungen hohe und z.T. sehr hohe Erträge (Dinkel bis 70 dt, Hafer über 70 dt, W-Gerste über 70 dt/ha) – im Nachhinein lassen sich dafür die Gründe finden (siehe auch ausführlicher Anhang). Es wird trotz sehr nasser Ernte in einer kritischen Phase – Auswuchsgefahr reifer Bestände – in jedem Konsumbereich genug Ware geben; Backweizen, Dinkel, Roggen. Bei Hafer evtl. drängende Mengen im Markt – hohe Aussaatfläche x hoher Ertrag. Trotz Abgleiten vieler Konsumpartien Richtung Futtermarkt wird der nicht zwingend überlaufen – Genaueres aber erst „nach der Obduktion “ ca. um Weihnachten. Körnerleguminosen sind wieder rar. Für ein Behaupten am Markt Richtung LEH – dort wird qualitäts- und preisbewusst eingekauft – wünscht sich der Verarbeiter von seinen Lieferanten Professionalität, Qualität und Kontinuität in der Zusammenarbeit.

Bio-Kartoffeln

Josephine Hardt Bericht Online MitmachMarkt 03.09.2025 22
Josephine Hardt

Der Bio Kartoffel Erzeuger e. V. ist eine bundesweite Interessenvertretung von etwa 250 Bio-Verbandsbetrieben, die gut 45 % des bundesweiten Bio-Kartoffel- und 70 % des Bio-Zwiebelanbaus stellen. Die Bio-Kartoffelernte fällt im Jahr 2025 ausgesprochen hoch aus. Laut Geschäftsführerin Josephine Hardt – ganz im Gegensatz zu 2024. Die Flächen-ausdehnung der vergangenen Jahre entfaltet erst jetzt ihre volle Wirkung in der Menge. Ein Anbau der Kulturen sollte nur in Zusammenhang mit vorhandenen Lagermöglichkeiten und einer abgesicherten Vermarktung erfolgen.

Bio-Raps

Die Teutoburger Ölmühle bei Osnabrück presst Pflanzen-Öle mit einem Schwerpunkt auf Raps und Sonnenblumen. Der Raps wird vor der Pressung geschält, was zu einer besonderen Qualität des Öles führt. Prominentes Produkt im Markt: Bio-Rapskern-Öl. Ölsaaten sind in der Nacherntebehandlung anspruchsvoll. Raps aber insbesondere Sonnenblumen sollten nicht ohne betriebliche Trocknungsmöglichkeit angebaut werden. Anbaubetreuerin Beatrix Klüh sucht deutsche Ware in EU- und Verbands-Qualität. Jedoch sollte der Einstieg nicht ohne vorherige Abstimmung erfolgen. In einer betriebswirtschaftlichen Auswertung von Druschfruchtbetrieben in Niedersachsen lagen Betriebe mit Ölsaaten im Ranking ganz vorn.

Bio-Soja

Amos Ramsauer Bericht Online MitmachMarkt 03.09.2025 23
Amos Ramsauer

Die Agriprotein GmbH erzeugt Bio-Soja-Pellets aus dem Presskuchen und Soja-Öl. Zwei Verarbeitungsstätten – eine im Nordwesten bei Minden (Lohnverarbeitung) und eine in Sachsen-Anhalt in eigener Regie. Die Herkunft der Rohware ist auf Europa fokussiert. Der Schwerpunkt liegt auf Verbands-zertifizierter Ware. Laut Geschäftsführer Amos Ramsauer besteht großes Potential für deutsche Verbands-Ware. Auf geeigneten Standorten – hackfrucht-fähig, handhabbar, leicht erwärmbar, gleichmäßig – sollte der Anbau dringend thematisiert werden. Bei der betrieblichen Umsetzung der EUDR (EU Entwaldungsrichtlinie VO 2023/1115), von der aus heutiger Sicht auch deutsche Soja betroffen ist, unterstützt Agriprotein die Erzeuger-betriebe.

Feedback aus dem Chat und nach dem Markt

Aus dem Chat

  • Josephine Hardt, Bio Kartoffel Erzeuger e.V.: Gern können Sie in der Diskussion oder im Nachgang der Veranstaltung meine Kontaktdaten weiterleiten. Ich bin immer gut telefonisch erreichbar und stehe den Landwirten und Landwirtinnen gern für Fragen zur Verfügung. Danke für die Organisation, gern bis zum nächsten Mal und beste Grüße, j.hardt@bke-verein.de T: 05843 9909010
  • Hermann Leggedör: was sagt Beatrix Klüh zum Preisbild an Erzeuger? f. Verbandsware + EU Öko Raps
  • Amos Ramsauer: Vielen Dank für die Veranstaltung! Ich wünsche allen einen schönen Abend
  • Annette Alpers, Naturland: Warum stellen so wenig um, welche Anregung hat die Runde an die Politik?
  • Beatrix Klüh: Bei uns fragt der Handel: wie geht es billiger? somit vermarkten wir aktuell keinen Bioland-Lein. Aber da wir auch EU-bio-Leinöl aus EU verkaufen, können sich Erzeuger natürlich trotzdem bei uns melden. b.klueh@teutoburger-oelmuehle.de
  • Marian Mohrmann: Positiv bleiben! Da bin ich bei Herrn Alvermann.
  • Henning Niemann, KÖN: Herzlichen Dank Euch
  • Hermann Leggedör: Vielen Dank und inspirierend!
  • Stefan Schulze-Bergcamen: Vielen Dank für Euer tolles Format!!
  • Renate.Bergmann: Vielen Dank, war sehr informativ!!

Nach dem Markt

Beatrix Klüh:
Ich hatte ein sehr angeregtes Gespräch mit Albert Haake / Senior-Landwirt in Niedersachsen. Wer es nicht schafft, aus so einer Veranstaltung etwas Positives für sich herauszuziehen, ist selber schuld. Vor allem die Zusammenfassungen am Ende vermitteln den Teilnehmern das Gefühl, nichts verpasst zu haben. Man kann sich ja nicht teilen. Aber die wichtigsten Ergebnisse konnte man so trotzdem mitnehmen.

Herrmann Leggedör, Bio-Berater in Schweden:
Hallo Gustav! Der Abend mit bio2030.de war gut und ich war dankbar, in der Getreidegruppe Teilnehmer gewesen zu sein. Deine lebendige Moderation fand ja in Ernst-Friedemann von Münchhausen einen aktiven Sparringspartner. Dass durch die Beteiligung von Johanna von Münchhausen der Generationswechsel abgebildet wurde, war sehr gelungen.

Friedrich Bredtmann, Bergisches Land per Telefon:
Hat mir durchaus gefallen Eure Veranstaltung. Ich war in der Getreidegruppe. Ernst-Friedemann von Münchhausen hat viel rausgelassen über die jüngsten Entwicklungen im Bio-Getreidemarkt. Und wenn er nicht jedes Interna preisgibt, verstehe ich das auch. Johanna von Münchhausen scheint sich mit Ihrer praktischen Erfahrung im Bio-Ackerbau tief in das Thema Saatgut eingearbeitet zu haben.

Zusammenstellung des Tagungsberichtes: Das Team von bio2030.de
Video-Mitschnitte der Gruppenergebnisse finden Sie hier