Hohe Bioerträge

Biogetreidemarkt: Wie war die Ernte bei Hafer, Dinkel und Co.?

Über die Lage am Bio-Getreidemarkt berichteten Johanna und Ernst-Friedemann von Münchhausen von der Handelsgesellschaft für Naturprodukte mbH Gut Rosenkrantz.

Sa., 4. Oktober 2025, Gesa Harms

Biohafer ist in dieser Ernte gut verfügbar. (Bildquelle: HARMS)
Biohafer ist in dieser Ernte gut verfügbar. (Bildquelle: HARMS)

Der Handel sucht Bioware. In der Arbeitsgruppe der Tagung von Bio2030 zum Ackerbau lieferten Johanna und Ernst-Friedemann von Münchhausen einen Überblick über die Marktsituation, aufgezeichnet von Ackerbauberater Gustav Alvermann von bio2030.de

Trotz Regen gingen beim Backgetreide (Weizen, Dinkel, Roggen) nicht alle Partien „baden“- es dürften genügend backfähige Partien zusammenkommen und der Futtermarkt freut sich durchaus auch auf Ware. Ausgewachsener Dinkel zeigt allerdings keine gute Verwertungsmöglichkeit. Es hat sich in 2025 gezeigt, dass man bei Dinkel Lagerareale oder -schläge in grenzwertigen Situationen separat dreschen und lagern muss: „Ein ausgewachsenes Korn zieht 100 weitere in den Abgrund“

Viel Biohafer auf dem Markt –Mykotoxine spielen zunehmend eine Rolle

Hafer zeigt eine mögliche Überversorgung im Markt. Hohe Flächenanteile trafen auf hohe Erträge. Gut Rosenkrantz zieht die Kontraktware vor und hält sich mit weiteren Käufen vorerst zurück. Aus einigen Teilen Deutschlands hört man bei konsumfähigen Partien von 30,00 €/dt netto ab Hof – der typische Absturz in der Ernte für Betriebe, die nicht lagern können und keine Kontrakte unterschrieben haben.

Winterhafer kommt durch die milderen Winter im Anbauanteil langsam nach vorn und kann per se ohne Einschränkung als Schälhafer genutzt werden, wenn die sonstigen Parameter (Hektoliter-Gewicht, Optik, Sensorik– Feuchteziel 13 % und Mykotoxine) stimmen.

Mykotoxine sind je nach Verarbeitungsrichtung ein zunehmendes Thema, Analysegeräte können binnen 15 min. den Status erfassen. Das Erntemanagement (nicht den Hafer ewig stehen lassen) aber insbesondere das Nacherntemanagement (vorreinigen, lüften, konsequent trocknen, kühlen) spielen eine große Rolle.

Genug Biodinkel –Angstvor einem neuen Dinkelberg

Es wird genügend gute Dinkel-Partien geben. In Süddeutschland ist der ausgewachsene Anteil höher einzuschätzen. Was im Handel keiner will, ist ein Fortgang des unruhigen Dinkel-Zyklus. Anbauer, die auf Nummer sicher gehen wollen, haben bereits 2026er Vorkontrakte für 45,00 €/dt netto ab Hof unterschrieben – das zeigt die Angst vor einem abermaligen Dinkel-Berg in 2026 – nach letztmalig 2022.

Gute Biokonsumweizenpartien gesucht

Bei Bioweizen wird es genügend gute Konsumpartien geben. Sommerweizen schafft die 26% Feuchtkleber im Norden sicherer als Winterweizen. Er kann aufgrund seines bekannt „kurzen“ Klebers aber meistens nur zu 25 % anteilig ins Mehl eingemischt werden. Insofern sind gute Konsum-Partien an Winterweizen stets gesucht.

Die Qualitäts-Einstufungen werden je nach Verwertung – Keks bis höchste Feinmehl-Ansprüche – weiter gespreizt. Für Kekse geht’s mit 20-22 % Kleber los, ab 23 % kommt Basismehl, über 25 % Kleber kann man Mehl für die Brotherstellung machen, 26 % Kleber ist Standard, > 28 % für höchste Ansprüche.

LEH verbraucht zunehmen Bioroggen

Weil Roggen bisher ohnehin zu 75 % ins Futter geht, wird es auch 2025 genug taugliche Konsumpartien geben. Der Brotverkauf im LEH (auch Aufbackbrötchen) zieht kontinuierlich mehr Ware. Diese Vermarktungsschiene ist allerdings hoch qualitäts- und preisbewusst – ein Hinweis, dass Euphorie nicht am Platze ist – eher Realismus.

Bioackerbohnen: Mehr als 3 t/ha die Regel

Bioackerbohnen gehen im Preis zurück auf 48,00 €/dt, um in Kombi mit Roggen im Wettbewerb ein preiswertes Mischfutter für Milchkühe anbieten zu können. Durch neue Sorten z.B.„Hammer“ (frühe Entwicklung) oder „Iron“ und eine kontinuierliche Verbesserung in der Produktionstechnik sollten im Schnitt der Jahre >= 3 to pro Hektar erreichbar sein und somit auch ein Arrangement mit diesem Preisniveau.

Lupinen haben nach ersten Untersuchungen in 2025 moderate Alkaloid Werte und werden gerne für hochleistende Milchkühe eingesetzt – u.a. für Dänemark.

Umstellungsware gibt es kaum. Wenn neue Flächen hinzukommen, sind es Bohnen, Weizen oder Triticale.