Top Agrar – Gesa Harms zur Tagung Bio2030

Woher kommt das Soja für EU-Bio-Betriebe? Zweifel an den Herkünften

Wie es um den Anbau und Absatz von Soja steht und wie der Stand bei der Entwaldungsrichtlinie ist, war eines der Themen auf der Bio2030-Tagung am 3.9.2025.

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Heimisches Biosoja ist gesucht: Als Futter und für die menschliche Ernährung (Bildquelle: Piepenbrock)

Die Suche des Handel nach Bioware war Thema einer Tagung der unabhängige Initiative Bio2030.de am 3.9.2025. Die Lage am Sojamarkt beschrieb Amos Ramsauer von der Agriprotein GmbH, die zwei Verarbeitungsstätten für Biosojakuchen und -Öl hauptsächlich für Bio-Verbandsprodukte betreibt. Er gab folgende Hinweise:

Herkunft Verbandsware

Deutschland ist bei Biosoja immer noch auf hohe Importanteile angewiesen. Die Agriprotein GmbH verarbeitet fast ausschließlich Verbandsprodukte oder entsprechend der Bioverbands-Richtlinien geprüfte Produkte, wobei Ware von Mitgliedsbetrieben dabei immer Vorrang hat.

25- 30 % kommen im Fall von Agriprotein dabei aus Deutschland, etwa 45- 60 % der Biosojabohnen kommen aus der Ukraine. Durch den Klimawandel wandert der Sojaanbau vom Süden der Ukraine in den Norden.

Fragwürdiges Biosoja für EU-Biobetriebe

Große Mengen an Biosojakuchen für die Verfütterung in EU-Biobetrieben kommt laut Ramsauer aus China über Rotterdam in den deutschen, dänischen und niederländischen Markt.„Woher diese Bio-Sojabohnen dafür kommen, weiß niemand so genau,“ so der Handelsexperte .

Weil China selbst allerdings der größte Importeuer konventionellen Sojas ist, geht er davon aus, dass die Bio-Sojabohnen, die dann in China zu Kuchen verarbeitet werden, nicht in China erzeugt werden, sondern eher aus Ostafrika kommen. Hier gäbe es Zweifel, ob das wirklich Bioware sei.

Anbau in Deutschland

Es werden immer mehr Regionen für den Anbau von Sojabohnen interessant, weil immer mehr spätere Sorten gezüchtet werden. Der Standort spielt eine große Rolle für einen erfolgreichen Anbau. Soja braucht 40er leicht erwärmbaren gleichmäßigen Boden, so Bioberater Gustav Ackermann.

„Hier muss man Soja ausweiten.“ In Schleswig-Holstein z.B. seien die Böden oft zu uneinheitlich. Die Sojabohne benötigt ein feines Saatbett und sollte nicht zu früh gesät werden, bei Bodentemperaturen, die über 10 Grad liegen. Pflicht ist die Impfung des Saatguts mit Knöllchenbakterien am besten bei der Saat. Die Reihenweite ist bei Soja zweitrangig.

Schwierigkeiten hat die Bohne oft bei der Abreife. Es kann passieren, dass die unteren Hülsen reif sind, oben aber noch grüne Körner sind. Viele Betriebe haben mit Krähen und/oder Taubenfraß Probleme. Hier gilt: Je kleiner die Fläche, desto größer ist der Schaden. Sojabohnen bleiben oft bei der Ernte auf dem Acker stehen, weil die Hülsen sehr tief hängen. Am besten ist hier ein Flexschneidwerk und ein sehr ebener Acker. Bei der Qualität muss man auf die Mikrobiologie achten. Der Kontakt mit Boden kann hier schwierig sein. Schimmelige Bohnen können das Futter später geschmacklich verderben.

Verarbeitung von Soja

Die Sojabohne erreicht Eiweißgehalte von 36 % i. OS.. Der Proteingehalt im Kuchen liegt deutlich über vierzig und ist damit ein interessantes Eiweißfuttermittel in der Ration. Die Sojabohne hat antinutritive Substanzen, die vor der Verfütterung durch thermische Behandlung inaktiviert werden müssen. Nach oder vor der Verpressung zu Sojaextraktionsschrot wird deshalb eine Hitzebehandlung durchgeführt

Auch eine getoastete Vollfettbohne ist als Futtermittel geeignet. Der Ölgehalt der Sojabohne liegt bei 20 %. Etwa 11 – 12 % des Öls kann man aus den Bohnen herauspressen. Für das Öl gibt es keinen Markt als Lebensmittel, weil die Akzeptanz fehlt. Daher wird es in der Fütterung, insbesondere in der Lachszucht verwendet.

Entwaldungsrichtlinie (EUDR)

Die Idee der EU-Entwaldungsrichtlinie ist, dass Nahrungsmittel wie Rinder, Holz, Kaffee, Tee, Ölpalme, Kautschuk und auch Soja u.U. dazu beitragen, dass z.B. in Brasilien zunehmend entwaldet wird. Ab 30.6.2026 müssen auch KMUUnternehmen, wozu die meisten Landwirte zählen, nachweisen, dass diese Produkte nicht aus Flächen kommen, die nach dem Jahr 2020 entwaldet wurden.

Das hat allerdings einen Haken: Auch die heimische Erzeugung ist betroffen. Nach heutigem Stand muss jeder Soja- oder Rinderproduzent sich einmal im Jahr mit seinen Geolokalisierungsdaten melden. Konkret sind Sojaflächen über 4 ha als Polygon einzugeben in das System tracesEUDR, so der Stand heute, berichtete Ramsauer. Man dürfe sich aber nicht von der zusätzlichen Bürokratie im Zusammenhang mit der EUDR bei der Ausweitung des heimischen Sojaanbaus entmutigen lassen.