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Scheinbestellung gegen Ackersenf

Gustav Alvermann erklärt, wie ein vorbereitetes Saatbett, eine Wartezeit und die anschließende flache Saat die erste Unkrautwelle beseitigen können. Der Beitrag zeigt, für welche Kulturen das Verfahren geeignet ist und welche Risiken eine spätere Aussaat birgt.

1. März 2026 Presse-Artikel Gustav AlvermannAckerbau
Scheinbestellung gegen Ackersenf

Ein robustes Werkzeug für saubere Sommerungen

Ackersenf und Hederich sind vitale Unkräuter der Sommerungen. Auch wenn es sich botanisch um verschiedene Arten handelt, ähneln sich ihre Auswirkungen so stark, dass im Folgenden vereinfachend von Ackersenf gesprochen wird.

Bestellt man Sommerungen früh und sorgt für eine gute Stickstoffversorgung, so wird der Senf eine große Pflanze, blüht vital, mindert den Ertrag und sorgt zugleich für reichlich Samen-Nachschub.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts galten stark blühende Ackersenf-Bestände noch als willkommene zweite Bienenweide nach dem Winterraps. Mit dem Aufkommen des chemischen Pflanzenschutzes geriet der Ackersenf jedoch weitgehend aus dem Blick. Im ökologischen Landbau ist er heute wieder präsent – wenn nicht sofort, dann oft spätestens nach 20 Jahren. Je häufiger Sommerungen in der Fruchtfolge stehen, desto deutlicher zeigt sich das Problem. Darin liegt eine Parallele zum Ackerfuchsschwanz in engen Winterungsfruchtfolgen.

Striegel und Hacke sind nur bei mehrmaliger und hocheffizienter Anwendung eine Lösung – auf wechselhaftem, kupiertem Gelände ist das nicht gegeben. Neben einer ausgewogenen Fruchtfolge mit ausreichend Leguminosen-Futterbau und Winterungen als Gegenspielern steht mit der Scheinbestellung ein robustes, handwerklich geprägtes Verfahren zur Verfügung, um Ackersenf wirksam zu regulieren.

Für eine gute Wirkung hat sie zwei Voraussetzungen:
Die Bereitschaft, die Drusch-Sommerungen erst im April, besser noch in der 2. Hälfte zu bestellen.
Die Fähigkeit, drei aufeinander aufbauende Arbeitsschritte in hoher agronomischer Disziplin nacheinander abzuarbeiten.

Die drei Arbeitsschritte sind:

1. Eine intensive, saubere und ebene Saatbettbereitung

Die Kreiselegge ist zur Bereitung des Scheinsaatbettes nicht die schlechteste Lösung. Sie hinterlässt einen feinkrümeligen, aber vor allem ebenen Boden ohne Spurwannen. Das ist hilfreich bei der finalen Saat, weil man dann zur Wegnahme der ersten Unkrautwelle nur noch flach arbeiten muss.

2. Warten

Im April sollte das Saatbett mindestens zwei Wochen ruhen, im März entsprechend länger, im Mai kann der Zeitraum kürzer ausfallen. Der grüne Schimmer auflaufender Unkräuter zeigt an, dass der nächste Arbeitsgang erfolgen kann. In einzelnen Fällen kann auch ein zweites Scheinsaatbett angelegt werden. Dann sind allerdings nochmals rund zehn Tage Wartezeit erforderlich. Dieses Vorgehen kommt vor allem bei Mais, Soja und gegebenenfalls Lein infrage.

3. Finale Saat mit flachem Eingriff der Vorwerkzeuge

Die Unkrautwelle – grüner Schimmer – wird durch die flach und definiert arbeitenden Vorwerkzeuge weggenommen, aber nur wenige neue Samen werden zum Keimen angeregt. Das Getreide wird 4 cm tief in den feuchten Boden abgelegt. Auf Striegel und Hacke wird verzichtet.

Stark mit Senf verkrautete Flächen tragen auf diese Weise weitgehend saubere Sommerungen – der Randstreifen zeigt das ursprüngliche Unkraut-Niveau.

Wenn z.B. Sommergerste oder Sommerweizen, der bei geringerem Ertrag mehr Kleber bildet, erst in der zweiten April-Hälfte gesät werden, kann eine Erhöhung der Saatstärke auf mindestens 500 Körner/m² sinnvoll sein. Das verdrängt noch auflaufende Senf-Pflanzen gut. Zudem geht der Ackersenf bei späterer Saatzeit früh in die Blüte und bleibt klein.

Das Verfahren der Scheinbestellung ist insbesondere für Sommergerste und Sommerweizen gut geeignet. Für Hafer ist es hingegen nur bedingt empfehlenswert, da spätere Saattermine mit einem erhöhten Risiko für die Ausbildung leichter Körner verbunden sind. Auch bei Lein, Mais und Soja lässt sich das Verfahren sinnvoll einsetzen, da diese Kulturen grundsätzlich später ausgesät werden.

Bei frühen Winterungen wie Roggen, Triticale und virusresistenter Wintergerste kann das Verfahren eingesetzt werden, wenn die Saatbettbereitung Ende August bis Anfang September erfolgt und die Aussaat spätestens bis Mitte September abgeschlossen ist. Bei Dinkel und Weizen mit Saatterminen ab Oktober ist hingegen die Stickstoffdynamik des jeweiligen Standorts zu berücksichtigen. In vielen Fällen ist unter diesen Bedingungen das Prinzip „rum und rein“ für späte Winterungen die sicherere Variante.

Keine Chance ohne Risiko

Die spätere Aussaat von Sommerungen kann, muss jedoch nicht, infolge einsetzender Trockenheit mit Ertragseinbußen verbunden sein. Wird das Scheinsaatbett zu grob angelegt, kann dies zu Wasserverlusten bis in die spätere Saattiefe führen und in der Folge den Feldaufgang beeinträchtigen. Bei fachgerechter Durchführung stellt das Verfahren dennoch ein robustes Instrument dar, um insbesondere bei starkem Auftreten von Ackersenf wirksam gegenzusteuern.

Angesichts dessen erscheint es sinnvoll, das Scheinsaatbett auch auf Problembereichen einzusetzen, anstatt Flächen aufgrund eines hohen Senfbesatzes vorübergehend aus der Nutzung zu nehmen.

Mit Herzblut für mehr Bio-Wertschöpfung im Land

21. Wintertagung des Agrarbündnisses M-V

Auf der diesjährigen Wintertagung des Agrarbündnisses Mecklenburg-Vorpommern am Mittwoch, 11. März 2026, im Güstrower Bürgerhaus drehte sich alles um die Frage, wie die Verarbeitung von Bio-Produkten gestärkt werden kann. Die landesweite Fachtagung zeigte die aktuelle Lage in Deutschland und im Nordosten und machte zugleich Mut. Anhand von sechs Beispielbetrieben wurde deutlich, wie regionale Wertschöpfungsketten für Bio-Produkte im ländlichen Raum ganz praktisch entstehen können. Dabei wurde spürbar, dass es nicht nur um Konzepte und Märkte geht, sondern vor allem um Menschen, die mit Überzeugung und Ausdauer neue Wege gehen.

Anna Hope und Jutta Krawinkel machten mit „BIO in MV“ deutlich, dass neue regionale Wertschöpfung nur dann entstehen kann, wenn Betriebe ihre Kräfte bündeln und gemeinsam Lösungen für Vermarktung und Verarbeitung entwickeln. Biopark ist neben anderen Verbänden ebenfalls Mitglied, um die Vernetzung der einzelnen Akteure voranzutreiben.

Ingo Glanert stellte mit dem Öko-Schlachthaus „Mecklenburger Fleischwaren GmbH“ in Wismar unter Beweis, dass auch gegen den Trend hin zu immer weniger Standorten regionale Schlachtung möglich bleibt.

Bei der Biopark Markt GmbH, einer der größten Anbieter von Biofleisch, fiel 2022 die Entscheidung, eine Zerlegung in eigener Regie, gemeinsam mit der Biomanufaktur Havelland, aufzubauen. So berichtete Jan Militzer bei der Wintertagung offenherzig von den großen Schwierigkeiten, zu vertretbaren Kosten einen Zerlegebetrieb zu errichten. Die Umnutzung einer ehemaligen Lachsverarbeitung in Waren an der Müritz habe sich als günstiger herausgestellt als ein Neubau. Die Betriebseröffnung im Jahr 2023 habe sich als unerwartet schwierig erwiesen. Ab Sommer 2024 schaffte es das Team in Waren schwarze Zahlen zu schreiben.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt die Ludwigsluster Fleisch- und Wurstwaren GmbH. Sandra Erdmann beschrieb, wie das Traditionsunternehmen seit 2003 auf die Bio-Produktion umstellt. Mit 1.450 Mitarbeitern, die etwa 14.000 t Fleisch- und Wurstwaren im Jahr 2025 produzierten, gelten die Ludwigsluster als eines der größtes Biounternehmen der Branche. Bei aller Euphorie für die erreichten Erfolge, kritisierte sie aber auch Probleme wie fehlende Schlachtstätten, zu wenige Schweinehalter, lange Transportwege, hohe Energiekosten und wachsende Dokumentationspflichten als große Belastung für Landwirte und Verarbeiter.

Christian Fries, Gründer der Mühlenbäckerei Medewege macht deutlich, dass handwerkliche Bio-Verarbeitung nur mit guter Mitarbeiterführung, Verlässlichkeit im Team und großem Einsatz im Alltag bestehen kann.

Kirsten Böhmann berichtete für die Luisenhof Milchmanufaktur, dass Bio-Milch aus dem Norden stabile Marktchancen hat und erfolgreich über Lebensmittelhandel und Bio-Supermärkte vermarktet wird.

Vivian Böllersen zeigte mit ihrer Walnussmeisterei, wie aus ihrer Masterarbeit und persönlicher Leidenschaft ein innovativer Kleinbetrieb mit Hofladen, Verarbeitung und eigener Perspektive wachsen kann.

Die Tagung machte damit vor allem eines sichtbar. Hinter jedem Erfolg stehen Menschen mit echter Leidenschaft, die bereit sind, sich für den Ökolandbau einzusetzen.

Ulrich Koglin